Hintergründe

Warum hängen wir uns nur so sehr an all dem Negativen auf, dass uns jeden Tag so gnadenlos überfällt, uns so zusetzt und ängstigt, geht das nur mir so ?

Nein, da kann ich Sie jetzt wirklich beruhigen, das liegt an unserer evolutionären Entwicklung, als wir noch auf Bäumen saßen und überlegen mussten ob es sinnvoller ist ein gewisses Risiko einzugehen um an Futter zu kommen, also eventuell selbst „Futter“ zu werden, oder in Sicherheit zu verhungern.

Unsere Vorfahren konnten demzufolge genau zwei Fehler machen : zu glauben, der Tiger sei da, während er in Wirklichkeit garnicht da war. 

Oder anzunehmen, der Tiger sei nicht da, während er in Wirklichkeit tatsächlich anwesend war. Während der erste Fehler lediglich unnötige Angst hervorruft, ist der zweite Fehler tödlich. Deshalb nimmt man lieber den schlimmsten Fall an und hat, unnötiger Weise, lieber einmal mehr Angst, als gefressen zu werden.

Obwohl die Säbelzahntiger heutzutage eher selten im Stadtbild vorkommen, hat sich unsere Angst vor ihnen sozusagen bis zu heutigen Tag erhalten : während wir mit dem Kopf durch den Cyberspace surfen, sitzt unser „Paläohintern“ immer noch auf diesem verdammten Ast und……wir lauern auf alles „Negative“ um ja nur keinen Fehler zu machen und nichts zu übersehen.

Dennoch empfinden wir unsere Ängste oft als als existenziell und fast lebensbedrohlich.

Es ist so verständlich, dass wir nach Liebe, Anerkennung und Verbundenheit in einer Gruppe streben. Wenn wir bedenken, dass 98% unseres Erbgutes mit dem von Menschenaffen identisch ist, wird schnell klar, dass unsere genetische Ausrichtung, was unsere stammesgeschichtliche Entwicklung als Menschen anbelangt, uns ganz schön harte Nüsse eingepackt hat.

Das heißt in der Praxis: wenn ich, als Schimpanse keine Akzeptanz in der Gruppe oder Familie erfahre – also auch von meiner Schwiegermutter – werde ich vielleicht verstoßen und muss verhungern. 

Mein persönliches „Primatenhirn“ rät mir also dringend schön artig zu sein, denn sonst……..!

Weil ich persönlich diese Betrachtung immer tröstlich fand, und ich der Meinung bin, dass sie uns als Individuum etwas aus der Verantwortung nimmt, alles falsch gemacht zu haben, während „alle anderen“ ihr Leben so toll bewältigen, erzähle ich Ihnen das in dieser Breite.

Was wir dabei allerdings sehr oft übersehen ist der Teufelskreis in den wir dadurch geraten vor allem dadurch, dass wir alles bewerten und kontrollieren „müssen“. Wir machen uns die Welt…..wie sie uns gerade NICHT gefällt, bedienen so unsere langjährigen Muster, Vorurteile und geraten oftmals in ein Gedankenkarussell dass uns Hören und Sehen vergeht.

Und jetzt kommt die große Frage, KANN ich das verdammte Karussell überhaupt anhalten und dann elegant aussteigen, sprich, kann ich meine Denkmuster, meine Gedanken und Bewertungen überhaupt beeinflussen, gar verändern?

Einfache Antwort: JA !

Nächste Frage: WIE ?

Also: unser Gehirn ändert sich ständig. Wenn wir uns vorstellen, wir lernen etwas Neues, zB ein Gedicht auswendig, dann wiederholen wir das öfter und LERNEN es auf diese Weise.

In unserem Gehirn finden ständig Veränderungen statt: neue Verknüpfungen von Nervenzellen. Und jetzt kommt der Clou an der ganzen Sache, wir, also auch SIE ! können unsere neuronalen Verknüpfungen zielgerichtet SELBST beeinflussen, denn nichts anderes geschieht ja im Grunde auch, wenn Sie ein Gedicht lernen. 

Auf diese Weise kann es uns gelingen immer öfter aus dem Karussell, das manchmal eher Züge einer Geisterbahn annimmt, auszusteigen.

Es braucht dazu allerdings Ihre Entschlossenheit, gelegentlich sogar Mut und einen gewissen Vertrauensvorschuss an alle Beteiligten. 

„Jeder Pudel kann neue Sprünge lernen“. Das Gehirn eines jeden Menschen, kann grundsätzlich neu verknüpft werden.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: stellen Sie sich eine Wiese  vor über die eine Maus läuft. Diese läuft dort öfter und wird von einer Katze verfolgt, es ist ein guter Sommer mit vielen Mäusen und vielen Katzen, die immer dort laufen. Eines Tages jagt ein Hund der Katze nach und das Kind, dem der Hund gehört, kommt auch mit. Dabei merkt es, dass  es sich dabei ja um eine Abkürzung zur Schule handelt und am nächsten Tag laufen dort 3 Kinder und am nächsten und…..den ganzen Sommer. Man sieht jetzt schon einen deutlichen Trampelpfad auf der Wiese. Weil auch die. Bushaltestelle an der Wiese ist, geht dort bald das ganze Dorf……und heute ist es eine Bundesstraße !

Genau so funktioniert die Verknüpfung unsere Nervenzellen, allerdings in beide Richtungen: sprich ich kann neue Straßen BAUEN, alte ZURÜCKBAUEN.

Ich kann alte, unheilsame Denkmuster umstrukturieren in neue heilsame.

Und es ist dabei wie im wirklichen Leben und Straßenbau, es braucht ZEIT und BESTÄNDIGKEIT.

An dieser Stelle kommen wir zur Beantwortung des WIE, dh. was mache ich ganz konkret in meiner  herausfordernden Alltagssituation?

„Ich nehme sie an“ mit wertneutraler Gewahrsamkeit und allem Wohlwollen, das ich in der Situation aufbringen kann……das Wort „Achtsamkeit“ möchte ich hier ganz bewusst erst einmal vermeiden. 

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